Einsatz Nr. 003/2010 – Wohnungsbrand – Bad Nauheim, Haagweg

Datum: 18. Januar 2010 
Alarmzeit: 23:14 Uhr 
Dauer: 3 Stunden 16 Minuten 
Art: Feueralarm - F 2 Y 
Einsatzort: Bad Nauheim, Haagweg 


Einsatzbericht:

19.01.2010 – Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden hatte die Feuerwehr Bad Nauheim einen ausgedehnten Wohnungsbrand zu bekämpfen.  Im Haagweg brannte am späten Montagabend eine Souterrainwohnung. Durch Brandrauch sind alle acht Wohneinheiten vorläufig nicht mehr benutzbar. Elf Personen erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten zur Beobachtung stationär in Kliniken eingeliefert werden. Nach ersten Schätzungen entstand Sachschaden in Höhe von etwa 300.000 Euro. Nach Erkenntnissen der Polizei ist ein Weihnachtsbaum die Ursache für den Brand.

Bad Nauheim – Durch einen Weihnachtsbaum entstand in der Souterrainwohnung einer 32-jährigen Mutter im Haagweg ein Brand. Unter Mithilfe eines 70-jährigen Nachbarn rettete sie sich zusammen mit ihren vier Kindern im Alter von 5 bis 13 Jahren über die Fenster ins Freie. Durch lautes Rufen informierten sie die Nachbarn und alarmierten die Feuerwehr.

Um 23.13 Uhr alarmierte die Zentrale Leitstelle Wetterau die Feuerwehr Bad Nauheim, Notarzt und Rettungswagen – genau wie in der Nacht zuvor – wieder mit der Ergänzung „Menschenleben in Gefahr“. Die Brandwohnung gehört zu einem Komplex mit mehreren aneinanderhängenden Gebäuden, meist mit zwei Geschossen. Zu dem vom Brand betroffenen Bereich gehören acht Wohneinheiten. Insgesamt sind dort 14 Personen gemeldet.

Stadtbrandinspektor Ronald Neumann, der wie am Vortag die Einsatzleitung hatte, ließ noch auf der Anfahrt die Stadtteilwehren Nieder-Mörlen und Steinfurth, die Drehleiter aus Friedberg und weitere Rettungsmittel alarmieren. Den zuerst eintreffenden Einsatzkräften bot sich folgende Lage: Große Flammen schlugen aus einem Fenster der Souterrainwohnung, der Treppenraum war komplett verqualmt und konnte als Fluchtweg nicht mehr genutzt werden. Mehrere Personen hielten sich auf der Rückseite des Gebäudes auf den Balkonen im erhöhten Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss auf.

Sofort bereiten zwei Trupps unter Atemschutz die Brandbekämpfung von der Vorderseite vor, ein dritter Atemschutztrupp durchsuchte die übrigen Wohnungen. Weitere Feuerwehrleute eilten mit tragbaren Leitern über einen schmalen Wirtschaftweg auf die Rückseite des Gebäudes. Die dort ausharrenden Bewohner hatten teilweise nur ein Nachthemd oder Schlafanzug an und waren überwiegend barfuß. Feuerwehrleute trugen ein Kind und seine Mutter auf dem Arm bzw. huckepack in den sicheren Bereich und übergaben sie in die Obhut des Rettungsdienstes. Eine 84-jährige Bewohnerin blieb im 1. OG in einem sicheren Bereich ihrer Wohnung und wurde von Feuerwehrleuten betreut.

Die Notdienste der Stadtwerke Bad Nauheim unterbrachen die Energieversorgung. Kreisbrandinspektor Otfried Hartmann und sein Stellvertreter Michael Kinnel waren ebenfalls wieder zur Einsatzstelle geeilt. Bad Nauheims Bürgermeister Bernd Witzel und Brandschutzdezernent Peter Baumann informierten sich vor Ort über die Lage.

Der Brand war innerhalb kurzer Zeit gelöscht. Mit einem Hochleistungslüfter wurden der Treppenraum und die oberen Wohnungen intensiv belüftet. Daraufhin konnte auch die ältere Dame mit einer Fluchthaube geschützt und von Feuerwehrleuten begleitet ohne Probleme über die Treppe zu den Rettungskräften geleitet werden. Elf Personen, darunter fünf Kinder, hatten durch den Brand Rauchgasvergiftungen erlitten. Sie wurden zur Beobachtung in die Unikliniken Frankfurt und Gießen und das Krankenhaus Frankfurt-Höchst transportiert.

Weil alle acht Wohnungen intensiv verraucht waren, ist das Haus zunächst nicht bewohnbar. Aufgrund guter sozialer Kontakte kamen die unverletzt gebliebenen Bewohner noch in der Nacht bis auf weiteres bei Angehörigen und Nachbarn unter.

An der Einsatzstelle waren die Feuerwehren aus Bad Nauheim, Nieder-Mörlen, Steinfurth, Friedberg, Echzell, Bad Vilbel und die Brandschutzaufsicht mit insgesamt 65 Feuerwehrleuten und 19 Fahrzeugen. Die verschiedenen Rettungsdienstorganisationen waren mit 16 Fahrzeugen und 32 Notärzten und Rettungsassistenten vor Ort, ebenso mehrere Streifen der Polizei.

Auf Anforderung der Polizei kam das Technische Hilfswerk aus Friedberg zur Einsatzstelle. Ihre Aufgabe war es die durchgebrannten Fenster und Türen zu verschließen und somit zu sichern. Gegen 3.00 Uhr verließ das letzte Fahrzeug die Einsatzstelle. Warum der Weihnachtsbaum in Brand geraten ist, werden die Untersuchungen der Brandursachenermittler zeigen. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Polizei und Feuerwehr schätzen den entstandenen Sachschaden auf etwa 300.000 Euro. Sicherlich auch durch den Brand am Vortag in der Frankfurter Straße war das Aufgebot der Medienvertreter sehr groß. Mehrere Radio- und Filmteam waren noch in der Nacht zur Einsatzstelle gekommen. Auch am Dienstagvormittag machten Filmteams noch Aufnahmen.

Nach letzten Informationen sind alle verletzten Personen Wohl auf und sollen noch im Laufe des Tages die Krankenhäuser verlassen können.

Text: Robert Winkler (FF Nieder-Mörlen)
Bilder: Robert Winkler sowie Gregor Hasuk und John Smith (beide FF Bad Nauheim)